Snookerbiographie

Irgendwann im Alter von 12 bin ich dann mit ihm mit. Ich kann mich nicht genau an diese Zeit erinnern, aber wenn mich heute Leute von damals ansprechen, sagen Sie: „Immer wenn kurz ein Tisch frei war weil eine Partie darauf zuende ging und es ein paar Minuten dauerte bis ein neues Spiel darauf anfing, war ein "kleiner" Knirps am Tisch und knallte die Bälle quer über den Tisch“... Der Knirps war ich!

Ich hatte zuerst mit Billard beim PBC Mühldorf angefangen, weil mein Dad meinte es wäre besser da der Tisch nicht so groß ist und es weniger frustrierend ist am Anfang, verglichen mit Snooker. Also wusste ich schon ein bischen wie rum ich das Queue halten muss wenn ich da rumgeschussert hab.

Irgendwann bei einem Turnier im Billardpark Freimann kam auf einmal der damalige Deutsche Meister, Carl Rosenberger, zu mir und fragte mich ob er mir was zeigen kann... mir is die Kinnlade runtergefallen... er hat das als "Ja" aufgefasst und von da an war er mein Trainer! Ich fuhr dann regelmäßig nach München um mit ihm im Breakers zu trainieren.

Nach ein paar Trainings meinte er ich wäre bereit dafür an einem GOSR-Turnier teilzunehmen. Ich kann mich noch an diesen Schmerz erinnern als ich in meinem ersten Turnier gleich mein erstes Spiel verlor. Es war an einem Samstag, aber am Tag drauf war noch ein Turnier in dem ich sogar 3 Runden gewann!

Das Breakers war zufällig der Laden von einem gewissen Mike Henson. Mike war Schotte und seit er in den 80ern nach Deutschland kam, kann man glaube ich an einer Hand abzählen was er bis Ende der 90er an Spielen gegen Deutsche verloren hat. Er war damals das absolute Maß der Dinge!

Nach ca. einem Jahr musste sich Carl ein wenig zurück ziehen weil er beruflich sehr eingespannt war und seine Karriere steil nach oben ging. Zu meinem Glück hatte Mike schon ein Auge auf mich geworfen und somit begann ich von Mike trainiert zu werden.

tl_files/saschalippe/images/bio1.jpgZiemlich bald war ein gewisser Rony (NICHT O'Sullivan) in München. Er war der Trainer von Mike, der für eine Woche nach München kam um ein Coaching für Jedermann zu geben. Zusammen mit meinem Kumpel Robert Richter, der zu der Zeit mit Abstand der beste Spieler in meiner Gegend war, bin ich dann jeden Tag für diese Woche nach der Schule nach München gefahren um daran teilzunehmen. Bis zu diesem Training war mein Höchstbreak 27. Am Mittwoch (Tag 3) machte ich meine erste 50!

Mein Dad kaufte mir zu dieser Zeit bereits einen eigenen Snookertisch, da die einzigen Tische im Umkreis von 70km in einer Spielhalle standen, in die ich nicht rein durfte weil ich noch keine 18 war. Zuerst war der Tisch in einem kleinen Raum in Waldkraiburg aufgestellt, was ungefähr 5km von meinem Heimatort Kraiburg weg war.

Aber um ehrlich zu sein, er hatte VERDAMMT enge Taschen und es machte überhaupt keinen Spass daran alleine zu trainieren! Da Snooker zu der Zeit noch ziemlich unbekannt war hatte ich auch kaum jemanden zum spielen allgemein, ganz zu schweigen von Freunden in meinem Alter die mit mir Snooker spielen wollten.

Nach kurzer Zeit wurde der Tisch dann nach Kraiburg geschafft wo er in einer riesen Halle von der Post stand in der nichts mehr war ausser der Tisch. Also war ich noch einsamer und um ehrlich zu sein... ich hab kaum alleine trainiert. Mike war davon natürlich nicht begeistert, denn wenn ich zu Hause nicht trainiere bringt sein ganzer Einsatz nichts... er konnte mir zwar den Weg weisen und mir Tips, Tricks und Übungen geben... gehen musste den Weg aber ICH!

Trotzdem hatte ich damals bereits meine ersten Erfolge zu verbuchen. Ich wurde Deutscher U19 Meister und schlug den 2-fachen Europameister, Marcel Kirsten, bei den Bayerischen Billard Meisterschaften U16 8-Ball zweimal mit 3:0 und wurde somit Bayerischer U16 Meister Billard.

Dann musste ich mich entscheiden... denn die Deutschen Meisterschaften im Billard fanden zeitgleich wie die U19 Europameisterschaften Snooker statt! Da auch mein Dad dem Snooker verschrieben war, der damals auch Vize-Präsident des Deutschen Snooker Kontroll Verbands war, hab ich mich natürlich für die Europameisterschaft entschieden. Auch wenn ich da bei weitem nicht die Gewinnchancen hatte wie vielleicht auf der DM Billard.

Die EM war in Kalisz/Polen und ich warte bis heute noch auf meine Teilnahmen-Urkunde! ;) Ich hab auf jeden Fall keinen Auftrag gehabt. Ich weiss nur noch das ich gegen einen Waliser nur mit 3:2 verloren hab und ihm fast den Schneid abgekauft hätte. Später kamen dann ein paar Leute aus Britanien (Snookerhochburg) zu mir und meinten ich hätte super gespielt und hätte viel Talent. - ich hab nix verstanden! Mein Englisch war noch zu schlecht! Ich hab immer nur brav mit dem Kopf genickt! J

Ab dieser Zeit war ich nur noch für Snooker unterwegs. Ich hab meine Karriere als Fußballspieler auf den Nagel gehängt... was nicht unbedingt ne schwere Entscheidung war da ich einer von denen war die immer nur für die letzten 3 Minuten eingewechselt wurden um Zeit zu schinden... -.-

Zurückblickend war meine Jugend von 14-19 dann so das ich von September bis Juni für 2 Wochenenden zu Hause war... den restlichen Wochenenden, und manchmal auch während der Woche, war ich überall in der Welt unterwegs. Ich gewann die Deutschen U19 Meisterschaften jedes Jahr an denen ich daran teilnahm, abgesehen von der ersten, da wurde ich von der einzigen gut-spielenden Dame zu der Zeit, Miriam Miosga, geschlagen.

Als ich dann fast 17 war erlaubte mir der damalige Pächter, Bernie Mickeleit (heute Profi-Schiedsrichter im Snooker), das ich in seine Spielhalle darf um dort zu trainieren und mit den Lokalmatadoren zu spielen. (falls das jetz ein Polizist oder so liest... ich hatte natürlich eine Sondererlaubnis... natürlich...*räusper*!) ;) Ab dann ging’s steil bergauf mit meinem Snooker. Ich hab relativ bald, ich glaube nach 2-3 Wochen mein Höchstbreak von 50 auf 73 erhöht und kam immer weiter nach vorn auf Turnieren.

Ich wurde 5. auf der Deutschen Meisterschaft der Herren und mit der Mannschaft aus Waldkraiburg, (Robert Richter, Bernie Mickeleit und ich) schafften wir den Aufstieg in die 1.Bundesliga! In der Aufstiegssaison hat mir mein Dad ein Sonderpreisgeld ausgesetzt und meinte: Wenn ich kein Spiel verliere in der Saison bekomme ich 1500,-DM, wenn ich eins verliere "nur" noch 1000,-DM!

Wie es der Teufel so will hab ich am LETZTEN Spieltag mein LETZTES Match verloren... und zwar in Füssen gegen, Sie kennen ihn bestimmt: Patrick Einsle! Patrick und ich waren damals fast wie Brüder. Wann immer wir uns auf Turnieren trafen hingen wir zusammen und machten lauter lustiges Zeug... meist zwar nur für uns lustig aber immerhin...!

Mit Patrick hab ich die ganze Welt bereist, wir waren zusammen sogar in Neuseeland auf einer U21 Weltmeisterschaft, in Lettland, Irland, Ungarn und was weiss ich wo noch...! Auf jeden Fall haben wir uns immer das Hotelzimmer geteilt und hatten jede Menge Spaß in unserer Jugend.

Zurück zu der Zeit in der ich anfing im Monte Carlo Spielsalon zu trainieren... Nach etwa einem halben Jahr wurden meine Breaks über 50 immer konstanter und ich schielte auf die magische Grenze von 100! Ich weiß noch als wäre es gestern das ich bei 93 die letzte Rote mit der Brücke verschiesse und mich furchtbar aufrege. Bernie meinte dann zu mir "Wasn los Scheisshaufen?! Dann machst es halt nächste Woche!"

Drei Tage später hatte ein Freund von mir Geburtstag, es war der 6. Dezember 2000, und er brachte Glühwein mit ins Monte. Nach der 2. Tasse fühlte ich mich auf einmal so lustig... ich überredete Robert Richter dazu mit mir ein paar Frames zu spielen und im ersten verschoss ich bei irgendwas mit 60 aber dachte mir: "Hey, ich fühl mich so locker! Da geht was!"

Im nächsten Frame schaffe ich es mich bei 94 (!) auf die Gelbe zu snookern!! Die Weiße lag in der Höhe von Pink und Blau, die auf ihrem Spot lag, war direkt im Weg auf die Gelbe.... *kotz* ich war wieder stinkig und hab einfach volle Rotze in die Balk-Bande gedroschen, treff die Gelbe und RUMS die knallt in die rechte Ecktasche bei Schwarz, perfekte Stellung auf Grün!!!!! :D Unglaublich... ich hab dann tatsächlich ausgeschossen und somit mein erstes Break über 100 gemacht mit genau 121! Ich war zu dem Moment schon leicht angetüdelt... danach war ich dann im Koma! Ich hab heute noch den Sektkorken von damals!

Langsam machte ich auch unter den Erwachsenen auf mich aufmerksam. Mein erstes Turnier-Hunderter kam auch knapp 4 Monate nach dem ersten im Training. Mit der Mannschaft wurden wir dann sogar 3. der 1. Bundesliga und ich wurde 3. in der Einzelwertung.

Zu irgendeiner Deutschen Jugendmeisterschaft in Bad Wildungen war ich kurz davor ein Maximum Break von 147 Punkten zu machen... leider scheiterte ich bei 104 an der vorletzten Roten weil eine Rille im Tuch war, die wohl bei einem Kopfstoß passiert sein muss, und die Rote die perfekt die Bande entlang lief, auf einmal wegdriftete und im Loch klapperte.

Es war nicht so das nur ich das gesehen hab, ALLE Spieler die nebenbei ihre eigenen Matches hatten, haben unterbrochen und mir zugeschaut. Als ich diese Rote gespielt hab haben alle zu brüllen angefangen und "SHOT" gerufen. Bis auf einmal der drift kam... :(

Bis heute hat noch kein deutscher Snookerspieler es geschafft eine 147 im Turnier zu spielen. Kurze Zeit drauf bin ich im Training bei 120 und Snooker mich halb auf die Gelbe... *kotz* aber diesmal ist sie nicht gefallen! :( Kaum eine oder 2 Wochen später krieg ich einen Anruf von Patrick das er im Training eine 147 gemacht hat! Somit war Patrick der erste deutsche Spieler der zumindest schon mal im Training eine gemacht hat! Einen Monat drauf hab ich’s dann auch geschafft... wieder gegen Robert Richter!

Das witzige daran is, is das ich kurz vorher aus Wut mein 500,-Euro John Parris Queue zerbrochen hab (der übrigens einzige Wutanfall in meiner Karriere!!) und somit mit einem Hausqueue ausm Monte spielen musste... 2 Wochen drauf mach ich damit die 147! Ich gab dem Queue den Namen "heilige Gisela"!

Ich spielte mich immer weiter nach oben in Deutschland. Mit 19 war ich im Finale der Deutschen Meisterschaft Herren und musste mich meinem ehemaligem Mentor, Mike Henson, mit 4:2 geschlagen geben. In der darauf folgenden Bundesliga Saison wechselte ich zum 1. SC Füssen und wurde zusammen mit Patrick Deutscher Mannschaftsmeister. In der Einzelwertung war ich am Ende auch auf Platz 1.

Man könnte zwar sagen das zu dieser Zeit im Snooker alles recht gut lief, aber abseits vom Tisch war es ein absolutes Dilemma! Eigentlich sollte ich im Monte Carlo anfangen zu arbeiten, nachdem ich die mittlere Reife abgeschlossen hatte, um Geld zu sparen um nach England zu ziehen. Doch von sparen war da nicht die Rede! Ich warf mein Geld zum Fenster raus und machte jede Menge dummes Zeug sodass ich anstatt Geld zu sparen, am Ende mit einem riesen Berg Schulden da stand.

Ich holte meine Jugend nach könnte man sagen. Auch wenn mein Trainingspensum sehr darunter litt, wurde ich aber nicht unbedingt schlechter, ganz im Gegenteil, wenn ich spielte, spielte ich 100% konzentriert und das bringt viel mehr als 10 Stunden sinnloses rumgebolze! Also wurde ich immer konstanter.

Bis dahin hab ich Deutschland auch schon auf einigen Europa- und Weltmeisterschaften vertreten aber der bis dahin größte Erfolg war die Gruppen zu überstehen auf der U21 Weltmeisterschaft in Lettland, die übrigens kein geringerer als Ding Junhui gewann. Also keine besonders erwähnenswerte internationalen Erfolge für mich bisher!

Dann mit fast 21 ging alles den Bach runter. Meine Eltern trennten sich und ich musste umziehen in meine eigene Wohnung nach Mühldorf. Kurz drauf machte auch noch das Monte Carlo zu und ich verlor somit meinen Job und nicht nur das, damit auch noch die einzige Trainingsmöglichkeit im Umkreis von 70km!

In dem Jahr fanden die ersten German Open in Fürth statt. Damals mit den beiden Profis Paul Hunter und Matthew Stevens. Es waren auch die ersten Profis die ich live zu Gesicht bekam! Es war ein tolles Turnier und ich kam ziemlich weit. Ich musste mich im Viertelfinale keinem geringerem als Paul Hunter geschlagen geben.

Ich erinner mich mit einem weinenden und einem lachendem Auge an Paul, der zu großem Bedauern im Jahr 2006 an Krebs gestorben ist. Vor unserem Match fragte er mich nämlich wieviel Preisgeld denn der Verlierer bekommt? Ich sagte: "Der Verlierer, ICH, bekomme ungefähr 200,-Euro" er begann zu lachen und meinte das er fragte weil er wissen wollte was ER bekommt...! :)

Ich konnte den gesamten Sonntag mit den 2 Profis verbringen und ich hab mir viel von ihnen abgeschaut. Vielleicht war dieses Erlebnis, das erste mal einen Profi aus dem Fernsehn live zu erleben der Grund, ich weiss es nicht, aber auf jeden Fall hatte ich in der folgenden Saison, in der ich nicht trainieren KONNTE die beste Saison bis dahin!

Bisher war mein persönlicher Rekord 3 Breaks über 100 in der Saison und Platz 5 in der GOSR-Rangliste. In dieser Saison machte ich 5 Centuries und endete auf Platz 2! Doch irgendwie machte mir das alles keinen Spass mehr... den Sommer nach der Saison verbrachte ich hauptsächlich damit ein neues Billardcenter mit meinem Dad aufzubauen oder ich verbrachte viel Zeit mit meiner damaligen Freundin, aber an Snooker hab ich kaum gedacht.

Ich war sogar soweit das ich, auf drängen meiner Freundin und vielen Anderen, meine Snookerkarriere auf den Nagel hängen wollte um eine Ausbildung anzufangen oder mein Abitur nachzuholen. Ich hab mein Queue für 3 Monate nicht angepackt und hab es erst 2 Wochen vor den nächsten German Open vom Schrank geholt. Ich weiss noch das ich völlig staubige Hände hatte als ich es griff.

Ich spielte 2 mal vor den German Open und fuhr quasi ohne jede Erwartung da hin. Ich sagte dort zu vielen das dies mein letztes Turnier sein wird und ich mit Snooker aufhören werde. Ich konnte ja nicht ahnen was dann passierte...

Zu dieser Zeit war ich auf Kriegsfuß mit Lasse Münstermann, Gründe dafür werde ich allerdings nicht nennen. Auf jeden Fall waren wir uns absolut nicht Grün und wie es der Zufall so will trafen wir in der Runde der letzten 32 aufeinander. Lasse ist damals schon für fast 1 Jahr in der Snooker Accademy in England gewesen, zusammen mit Patrick. Also ging ich davon aus eine Klatsche zu kriegen. Am Abend vorher kam noch jemand zu mir und meinte er hätte 20,-Euro auf mich gesetzt und ich sagte er hätte mir lieber eine Runde ausgeben sollen für die 20,-Euro... wäre besser investiert gewesen!

Doch man glaubt es kaum... an diesem Sonntag Morgen waren die Snooker-Götter auf meiner Seite und ich hab Lasse mit 3:0 geschlagen! Als ich nach dem Match direkt ins Hotel gesaust bin weil der Portier mir gedroht hat das ich noch einen Tag zahlen muss wenn ich nicht bis 12Uhr ausgecheckt hab, bekam ich den Anruf das ich SOFORT gegen Ian McCulloch darf... Um 12Uhr!

Ich bin ins Hotel, hab alles in den Koffer gepfeffert und ab in die Grüne Halle. Um 11:59 kam ich an der Theke an und bestellte mir ne Fanta als mich jemand am Arm zog und sagte ich müsse mich für den Aufruf bereitstellen... ich dachte: "häh? was für ein Aufruf?!" Als ich unten ankam (ohne die Fanta die ich oben vergessen hatte) schaltete das erste mal mein Hirn wieder ein und ich sah knapp 2000 Zuschauer auf den Rängen und der Empore und neben den Snookertischen stand Rolf Kalb, die Stimme des Snookers in Deutschland, und kündigte die Spieler für die nächsten Matches an.

Ich riss die Augen auf und sah mich um... links von mir... Tony Drago, Michael Holt, Matthew Stevens, Jimmy White, Ian McCulloch... "Was mach ICH denn hier?!" dacht ich mir... dann ging einer nach dem anderen in die Arena und mir wurde bewusst das ich gegen Ian auf einem der 2 Center-Court Tische spielen muss...! Sogar Jimmy White, The Legend, musste auf einem Tisch in der Ecke spielen!

Dann hörte ich die Ansage von Rolf "Und jetzt bringen wir die Halle zum beben...!" ich werde immer kleiner und denk mir "ach du sch...!" Ich höre weiter. Rolf zählt ein paar meiner Erfolge auf und das ich ein Highbreak von 147 hab... "... Bitte begrüßen Sie mit mir den letzten Nicht-Profi im Turnier..." in dem Moment springt mein Herz in die Luft und es gab einen mega Applaus. Ich ging in die Arena, geb Rolf die Hand und geh an meinen Tisch.

Ich bin ehrlich... ich hab nichts getroffen in diesem Match! Ich war zwar nicht nervös, aber ich hab gar nicht verarbeiten können was da auf mich zu kam... erstmal der Sieg über meinen damaligen Erzrivalen und direkt danach der Stress im Hotel... direkt an den Tisch... ich war NULL bei der Sache! Ich hab ALLES wahrgenommen was im Publikum vor sich ging aber von Konzentration her ging nix!

Das einzige wo ich kurz für Aufregung sorgte war im 2. Frame in dem ich um die 30 Punkte vorne bin als Ian mich 5 mal in Folge auf die letzte Rote snookert und ich 4,5 mal davon rauskahm. Aber sonst ging echt nix! Und folglich verlor ich mit 3:0!

Als ich dann mein Zeug packte und mich verdünnisieren wollte kam ein kleiner Junge die Tribüne runter und fragte mich nach einem Autogramm. Als ich dann zu dem Fleck schaute an dem wir standen als wir aufgerufen wurden, welcher der einzige Weg aus der Arena war, sah ich eine Traube von Menschen und ich dachte... "Au Backe, die wollen jetz ihr Eintrittsgeld von mir zurück weil ich so schlecht war...!"

Doch als ich dort ankam wollten sie Autogramme und Fotos mit mir. Das war das schönste Erlebnis meiner bisherigen Karriere! Die tatsächliche Snookerszene in Deutschland ist ja eher sowas wie eine "kleine Familie" und das wildfremde Menschen zu mir kommen und von MIR Autogramme wollen is etwas absolut neues für mich gewesen!

Später hatte ich noch die Gelegenheit mit Ian ein bischen zu quatschen und ich wollte ihm eigentlich dafür danken das er mein letztes Turnier zu so einem Erlebnis werden lies, als er mich gar nicht anfangen lies zu reden und meinte "Mate, you played great this weekend! I've seen you playing yesterday and you beat Lasse today! Amazing! Just keep on practising! You can make it!" ("Kumpel, du hast super gespielt dieses Wochenende! Ich hab dich gestern spielen sehen und du hast heute Lasse geschlagen! Spitze! Einfach weiter trainieren! Du kannst es schaffen!")

tl_files/saschalippe/images/bio2.jpgIch kann mich noch sehr genau an seine Worte erinnern weil ich erstmal wie versteinert da stand und nichts mehr begriffen hab! Lange Rede, kurzer Sinn... DAS war der Moment an dem ich wusste... Ich will Profi werden!

In den nächsten Wochen begann ich mit ein paar Leuten aus Köln Kontakt aufzunehmen, die sich um Itaro Santos kümmerten und Kontakt zu dem Trainer hatten, der Peter Ebdon zum Weltmeister gemacht hat... Chris Henry! Sie hatten mich bereits ein halbes Jahr vorher gefragt ob ich nicht nach Köln kommen möchte um mit Itaro zu trainieren. Anfang des Jahres 2006 zog ich dann nach Köln.

Leider liefen die Dinge dort nicht ganz so glatt... Itaro wurde nach Brasilien zurückgeschickt weil er es verseumt hat sein Visum zu verlängern. Also war ich ohne Trainingspartner in einer komplett fremden Stadt. Zu Anfang war das kein Problem und ich hab sehr gut gespielt. Unter Anderem hab ich ein sehr gutes Turnier in Hamburg gewonnen bei dem ich auch ein Century machte und das erste mal in meinem Leben eine Rede nach der Preisverleihung hielt.

Jedoch hielt dieser Aufwärtstrend nicht lange an und ich will ehrlich sagen das ich zu der Zeit aus privaten Gründen sehr am Boden war und ich hab zusätzlich nichts geleistet für meinen Traum. Ich hab ganz wenig trainiert. Itaro kam dann zwar nach 3 Monaten zurück aber ich konnte mich einfach nicht motivieren zu trainieren. Der innere Schweinehund und zusätzlich noch die privaten Probleme waren einfach zu groß und das löste nicht nur bei mir Frust aus sondern auch bei den Verantwortlichen in Köln.

Kurz vor Beginn der nächsten Saison kam dann der Super-Gau. Ich hatte riesen Streit und wollte aus Köln weg. Das schlimmste daran war das ich bis dahin nicht wusste wie ich Geld für die Open Tour auftreiben soll... das ist die Qualifikations Serie für die Profi-Tour...! Und ich MUSSTE da hin! Ich wollte unbedingt da hin und sehen wie weit ich von den Profis weg bin!

Zu meinem Glück hab ich ein paar Freunde in der Snookerszene und fand eine helfende Hand in Bochum. Ludger Veuhoff, der in Bochum einen Verein aufgebaut hat, hatte großes Vertrauen in mein Talent und somit zog ich mit Itaro zusammen um nach Bochum.

Anfangs lief auch hier alles super... Wir bekamen die Open Tour finanziert, es wurde sich um uns gekümmert und uns wurde von Lutz, seiner tollen Frau Karin und auch von anderen Mitgliedern des Bochumer Vereins sehr geholfen. Mit Itaro und mir kam auch Chris Henry nach Bochum und er und Lutz begannen Pläne zu schmieden wie z.B. die Exhibition mit Stephen Hendry und Steve Davis die im März stattfand und einiges mehr.

Ich nahm an den Turnieren der Open Tour teil und zu meiner Überraschung waren da keine Götter! Ich hab geschaut und niemanden gesehen wo ich sagen würde das die noch himmel-weit weg sind! Ich hab in meinem ersten Match gleich einen Hammer Gegner gehabt. Bjorn Haneveer war mehrfacher Europameister und war noch die Saison davor in der Maintour! Ich verlor zwar mit 0:4 aber ich hab echt gut gespielt und jedes Frame war hammerknapp!

Bereits beim nächsten Turnier konnte ich meinen ersten Sieg verbuchen. Allerdings wurde mir vor dem 3. Turnier mein Queue aus dem Auto geklaut... und das 3 Tage vor dem Turnier! Also musste ich 3 Turniere mit einem Hausqueue, meiner "heiligen Gisela", spielen. Was absolut Mist war da ich bei 199cm Körpergröße ein längeres Queue als normal brauche und mein geklautes Queue komplett anders war!

Wie auch immer, die 3 Turniere hab ich verpatzt. Obwohl ich beim letzten Turnier mit dem Queue mit 3:1 gegen den ehemaligen Top 16 Spieler, Garry Wilkinson, führte, aber dann doch noch mit 4:3 verlor. Zum nächsten Turnier hatte ich dann wieder einen neues, extra für mich angefertigtes Queue von Acuerate und gewann gegen einen guten Gegner mit 4:1! Allerdings war dann in Runde 2 Schluss.

Ich sagte bereits zu Beginn der Saison das ich die erste Saison in der Open-Tour zum Erfahrung sammeln nutze und nichts erwarte. In der nächsten Saison will ich angreifen!

tl_files/saschalippe/images/bio3.jpgÜber Weihnachten war ich noch mit Itaro für 5 Wochen in Brasilien und dieser Trip hat echt mein Leben verändert! Ich kam wie ein neuer Mensch zurück! Ich war Selbstbewusst wie noch nie, ich wusste was ich will, ich hab realisiert was ich dafür tun muss und war bereit es zu tun...!

Leider passte die Chemie nicht mehr zwischen Lutz und mir und die gegenseitigen Erwartungen wurden bereits vor der Brasilien Reise, von beiden Seiten, sehr schleppend erfüllt. Was direkt danach letztendlich zur Trennung von meinem Manager führte.

Ich wusste das es in Mannheim jemanden gibt der daran Interesse hatte mich zu unterstützen und somit führten mich meine Wege dort hin. Ich zog in eine 1-Zimmer-Villa direkt über dem hiesigen Snookerverein und Austin Moles, der Eigentümer des Clubs, unterstützt mich wenn ich es brauche.

Mittlerweile nehm ich die Dinge wieder selbst in die Hand und überlass nichts mehr irgendeinem Manager oder sonst wem. Ich kann im Snookerworld Mannheim kostenlos trainieren wann ich will, da ich dort auch arbeite und einen Schlüssel habe. Austin ist selbst sehr Snookerfanatisch und wir treffen uns morgens regelmäßig und trainieren zusammen.

Diese Freiheit und Gewissheit keine finanziellen Engpässe mehr zu haben hat mich sehr entspannt und ich kann sagen das ich noch nie so gut war wie jetzt. Momentan bin ich auf Platz 1 in der GOSR Rangliste, hab den Grand Prix in Rüsselsheim mit einem Highbreak von 129 Punkten gewonnen, bin auch auf der Grand Prix Rangliste auf 1 und... ach genau... bin mit Lasse (mit dem ich mich mittlerweile wieder blendend verstehe!) und Itaro Team Europameister geworden!!!

Also alles zeigt geradewegs nach oben und ich bin motiviert ohne Ende in Richtung Profi-Tour zu marschieren...

Mal sehen was die nächste Saison bringt!

So... wenn Ihr jetzt noch wissen wollt wie die Story weitergeht... dann lest einfach regelmäßig im Bereich "News" auf meiner Homepage... :)

Euer
Sascha

Stand bis Mai 2007

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